Der Text, den ich für die Odyssee-Hörprobe gesprochen habe, ist keine ruhige Passage. Ein Blitz zerschlägt das Schiff, alle Gefährten sterben, nur Odysseus überlebt und treibt neun Tage allein, bis ihn die Götter zu Kalypso tragen. Anderthalb Minuten am Stück, ohne Schnitt.
Vor der Aufnahme markiere ich mir den Text nicht mit Regieanweisungen wie „ängstlich“ oder „erschöpft“ – das sind Ergebnisse, keine Anleitung. Stattdessen markiere ich Pausen: ein Schrägstrich für kurz, ein doppelter für lang. Wo das Schiff zerbricht, wird der Takt schneller, die Pausen kürzer. Wo klar wird, dass niemand mehr zurückkehrt, wird alles langsamer – nicht, weil Trauer langsam klingen soll, sondern weil ein Satz, der etwas Endgültiges sagt, Raum braucht, um zu wirken.
Das ist auch eine Stimmentscheidung: Odysseus bekommt bei mir keine eigene, dramatisch verstellte Stimme – das ist Erzählung, kein Dialog. Was sich verändert, ist ausschließlich das Tempo. Genau da entsteht die Spannung, nicht im Lauten.
Die ganze Aufnahme steht unter Hörproben.

