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Warum ich noch einmal neu angefangen habe

Ein vergessenes Kindheitstalent, eine zweite berufliche Laufbahn – und die Angst, die ich lernen musste, nicht verschwinden zu lassen, sondern mitzunehmen.

Susann Reckeweg mit Kopfhörern, im Porträt

Ich habe als Kind vorgelesen — in der Schule, bei einem Bundeswettbewerb, abends meinen eigenen Kindern. Dann habe ich es vergessen. Nicht bewusst verlernt, einfach irgendwo liegengelassen, wie ein Talent, das keiner mehr abholt, weil das Leben andere Dinge verlangt hat.

Bis eine Videografin zu mir sagte: Du hast so eine schöne Stimme. Ein Satz, den andere vielleicht überhören. Ich nicht. Ich habe darin eine Möglichkeit gesehen — nicht, etwas Neues zu lernen, sondern etwas Altes neu zu entdecken.

Also bin ich eingestiegen. Als Quereinsteigerin, ohne Bühnenerfahrung, aber mit diesem einen alten Talent im Gepäck. Nur: Vorlesen und Sprechen sind zwei verschiedene Dinge. Lesen heißt, Wörter entziffern. Sprechen heißt, eine Haltung dazu zu haben — ein Gefühl, das sich der Rolle anpasst, mal zurückhaltend, mal voller Kraft. Genau das musste ich neu lernen: Golden Voice Academy, Schauspielworkshop bei Julia von Tettenborn, Einsteigerkurs bei Thomas Höhne, jetzt Sprecherschmiede. Stimme zurückzuerobern heißt, jede einzelne Ebene wieder bewusst zu machen. Atmung. Rhythmus. Präsenz. Das braucht Übung — aber vor allem braucht es Widerstandskraft.

Ich war schon mehrmals an einem Punkt, an dem ich aufhören wollte. Nicht wegen der Technik. Wegen der Momente, in denen ich mich zeigen sollte, mich anbieten, verkaufen. Dann meldet sich meine innere Kritikerin, laut und sofort. Ablehnung, Kritik, ein Fehler vor Publikum, Verletzlichkeit — alles, wovor ich mich am liebsten verstecken würde.

Der Punkt, an dem ich weitergemacht habe, war kein Motivationsschub. Es war eine Erkenntnis: Wenn ich mich verstecke, entscheide ich nie selbst, wie mein Leben klingt. Ich kann nicht gleichzeitig meine Stimme zurückerobern und mich davor fürchten, sie hören zu lassen. Beides zusammen geht nicht.

Also gehe ich weiter — mit der Angst, nicht gegen sie. Und jedes Mal, wenn ich das tue, sehe ich mich wachsen, ein Stück weiterentwickelt als vorher. Irgendwann, das weiß ich inzwischen, habe ich etwas anzubieten, das jemand wirklich haben will.

Der Satz, der bleibt: Man wird nicht mutig, weil die Angst verschwindet. Man geht weiter, obwohl sie da ist.

Das ist, warum ich für Menschen arbeite, die Echtheit lieben — und den eigenen Zweifel gut genug kennen, um ihn bei mir wiederzuerkennen. Menschen, die sich selbst immer wieder aus der Komfortzone herausbewegen, statt dort zu bleiben, wo es sicher ist. Wir erkennen uns, bevor wir ein Wort gewechselt haben.

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Lieber hören als lesen?

Drei Hörproben liegen fertig da – Literatur, Dokumentation, Sachbuch. Danach weißt du, ob meine Stimme zu deinem Text passt.